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Das Zendo - Raum des Übens

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Persönliche Erfahrung

Nichts ist vergleichbar mit dem Gefühl der Freiheit, das man auf dem Motorrad erleben kann. Doch es ist eine ganz andere Freiheit als die, die wir üblicherweise kennen, denn es ist die völlige Abwesenheit von situativer Entscheidungsfreiheit, stattdessen ist es ein vollkommenes Verschmelzen mit dem, was ist.

Diese Erfahrung hat mich gelehrt, ganz anders als bisher über „Freiheit“ zu denken. Sich „frei“ zu fühlen hat demnach nichts damit zu tun, dass ich tun kann, was ich wollte, denn das kann ich auf dem Motorrad garantiert nicht. Und damit tauchen mit einem Mal eine Menge Fragen auf.

Ich habe nirgendwo besser und deutlicher als auf dem Motorrad erkannt, wie ich tatsächlich „gestrickt“ bin. Und es erinnert mich immer daran, wenn ich gerade mal wieder gedanklich „wo anders“ unterwegs bin, nur nicht da, wo ich sein sollte. Denn das Motorrad hat den unschätzbaren Vorteil, nämlich dass ich das eigene Fehlverhalten nur sehr, sehr schlecht auf andere abschieben kann.

Nirgendwo sonst wird mir so direkt bewusst, was ich gerade denke und was mich innerlich beschäftigt. Einfach deshalb, weil es unmittelbare Auswirkungen auf meinen Fahrstil hat. Das wiederum macht mir deutlich, was mich manchmal regelrecht gefangen hält und mich immer wieder von meinem Ziel abbringt.

Das Motorrad zeigt mir, wer und wie ich bin und lässt die Wunschvorstellung, wie und wer ich gerne wäre, so richtig auflaufen. Es geht also um wirkliche Selbsterkenntnis und nicht um Selbsterfahrung. Das ist das Wesentliche, zu erkennen, wie und wer ich bin. Doch das hört nicht mit Selbsterkenntnis auf, sondern es geht darüber hinaus:

Wenn ich erkenne, wie ich bin, wenn ich mir dessen absolut bewusst bin, hinterlässt dies Spuren in meiner Psyche. Ich werde mir meiner selbst bewusst. Wenn ich das will. Wissen, wie ich bin, das ist Freiheit!

Motorrad zu fahren, wirklich zu fahren, der Moment, wenn ich auf der Maschine sitze und nur noch das Fahren selbst ist, in diesem Moment habe ich auf den Ballast des Pathos verzichtet und mich wie ein Zen-Mönch auf das Hier und Jetzt konzentriert.