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Das Zendo - Raum des Übens

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Mehr als „nur“ Motorradfahren

Für mich bedeutet Motorrad zu fahren mittlerweile wesentlich mehr als „nur“ Motorrad zu fahren. Zum einen ist es eine sehr gute Schulung, mein Ego fallen zu lassen, zum anderen ist es der Hinweis darauf, dass ich das auch im ganz normalen Leben praktizieren kann, obwohl es da erst einmal schwieriger zu sein scheint.

Da ist zum einen die permanente Konfrontation mit der Unbeständigkeit des Seins, der Unmöglichkeit, ein „Ergebnis“ zu planen, zum anderen liegt darin die konfuzianistische Selbstkultivierung, wie sie in den sogenannten Wegkünsten praktiziert wird.

Seit ich das begriffen habe, gelingt es mir immer besser, die Parallelen zu meinem alltäglichen Verhalten im „normalen“ Leben zu sehen und daraus wiederum Rückschlüsse zu ziehen und Konsequenzen abzuleiten.

Die Gesetzmäßigkeiten des Seins und das Streben, das Leben danach auszurichten, die ich dem japanischen Verständnis von Ästhetik entnommen habe, dieses Spiel zwischen Notwendigkeiten im Verhalten, will ich mich an den Gesetzmäßigkeiten orientieren und dem, wie ich mich tatsächlich verhalte, das erlebe ich unmittelbar beim Fahren.

Ich begreife, dass mein Verstand ausgesprochen hilfreich ist, mir Kurventechnik erklärbar zu machen, aber er hilft mir absolut nicht bei der Umsetzung. Die muss ich üben, üben und nochmals üben; solange, bis ich nicht mehr darüber nachdenke. Dann „falle“ ich regelrecht in das Fahren, bin das Fahren, genauer, ich gebe jegliches Wollen beim Fahren auf.

Ich kann mir hundertmal sagen, „lass den Lenker locker“, aber erst wenn ich es nicht-bewusst tun kann, wird es mir gelingen. Die vielleicht wichtigste Gesetzmäßigkeit des Lebens überhaupt.

Entscheidend ist, was ich lebe.