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Die Welt und ich - kein Unterschied

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Die Welt und ich

Ist „meine“ Welt eine gedachte Welt? Gute Frage, oder etwa nicht? Vor Jahren habe ich mir den Begriff „Zen-handeln“ ausgedacht (wie wahrscheinlich schon viele vor mir). Schon komisch, dass man sich selbst auf etwas hinweisen kann, was man noch gar nicht weiß oder kennt. Was dem Phänomen des Denkens eine ganz andere, weitere Dimension hinzufügt. Das ist in etwa so, als hätte ein Physiker ein neues Elementarteilchen entdeckt.

Alles bleibt, wie es vorher schon war. Nichts kommt hinzu. Doch für einen selbst ändert sich die Welt ganz grundsätzlich und fundamental. Man sieht die Welt (und sich selbst) mit einem Mal mit ganz anderen Augen. Was natürlich nicht stimmt, denn die Augen sind ja die selben wie vorher auch und können auch nicht mehr sehen als bisher. Aber denken können wir etwas anderes, für uns Neues.

Damit werden wir in die Lage versetzt, unser Leben wieder ein bisschen besser zu verstehen und damit idealerweise auch stimmiger zu gestalten. Nachher sehe ich meine drei noch sehr jungen Enkel (2, 4 und 6 Jahre), die ich eine Weile nicht gesehen habe. Bin gespannt, was sie so alles gelernt haben. Diese drei haben mir zu vielen Erkenntnissen über mich selbst verholfen. Etwa, dass es für sie nicht gibt, was sie nicht denken können. Vor allem aber, dass sie (und ich auch) in einer virtuellen, einer gedachten Welt leben. Sozusagen.

Ihre Spielwelt ist für sie ganz real. Und erwachsen zu werden heißt leider, dass sie die Ansichten ihrer Eltern und anderer über die Welt erst zu denken lenken und dann auch noch vergessen, dass sie die Welt auch ganz anders sehen, also denken könnten, nur damit sie ein braves Mitglied der Herde werden. Also ich befürchte das mal. Aber vielleicht haben sie ja auch ein bisschen was von dem einen Opa mitbekommen, dem, der ganz oft das Gegenteil von dem machte, was seine Eltern von ihm wollten.

Also, wenn ich erst lernen muss zu sehen, dann heißt das ja, dass ich etwa ein Auto nicht sehen kann, wenn ich es nicht auch denken kann. Dass das so ist, wissen wir ja. Was natürlich bedeutet, dass das für alle anderen Sinne auch gilt. Wie das funktioniert, das lassen wir jetzt bitte einmal außen vor, wichtig ist rein logisch zu verstehen, dass es so ist. Wenn ich dann noch hinzudenke, dass es kein wie auch immer geartetes „Ich“ gibt und dass „mein“ Bewusstsein sich nicht verorten lässt, ja dann wird der Gedanke der Chan / Zen Menschen mit einem Mal sehr logisch, dass wir das Erleben einer Art Avatar zuordnen, einer gedachten Person, die wir dem Erleben, das wir als „eigenes“ Erleben interpretieren.

Mit anderen Worten wir sind nicht das, was wir üblicherweise denken und glauben, dass wir es wären, sondern wir sind das, was uns selbst, also unsere Avatare, die Welt und alles, was darauf passiert, denken. Wir sind also Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildner und Autor des Bühnenstücks in einem. Eine reife Leistung! Ich weiß, es dauert eine Weile, bis man das begreift. Aber gehen Sie einmal davon aus, dass Sie es begriffen hätten - vielleicht haben Sie es ja auch schon! Wenn Sie also davon ausgehen, dass Sie das Erleben und das Bewusstsein selbst sind, was werden Sie dann tun?

Genau, Sie gestalten Ihr gesamtes Leben sehr, sehr bewusst, denn Sie wissen ja, dass Sie damit Ihr eigenes Erleben gestalten. Sie wissen ja, die Form macht den Inhalt, nicht umgekehrt. Aber freuen Sie sich nicht zu früh, denn es wird Sie einiges an Konzentration und Beharrlichkeit kosten, Ihre Welt so zu gestalten, wie Sie es für richtig halten. Das haben Sie ja schon immer gemacht, aber eben nicht mit diesem Wissen. Und weil wir es schon immer getan haben ist es auch so anhänglich, dieses konditionierte Leben.

Das ist nämlich der Grund, warum wir den „alten“ Avatar, dieses vermeintliche „Ich“ so vehement verteidigen. Weil wir nicht sehen konnten, dass es ein Spiel ist. Wie sagte doch Alan Watts?

Das Leben ist ein Spiel. Die erste Regel lautet: Dies ist kein Spiel!