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Mich einlassen auf das Leben

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Denken durch Nicht-Denken

Die „Methode“ des Zen ist das Koan. „Mu“ etwa ist die Antwort auf die Frage danach, ob ein Hund Buddha-Natur habe. Man darf aber nicht übersehen, dass auch die gedankliche Lösung des bekannten Doppelspaltversuchs ein wunderbares Koan ist. Dafür gibt es nämlich keine Antwort, die wir mit Nachdenken finden könnten, sowenig wie wir die Frage nach der Buddha-Natur des Hundes durch Nachdenken beantworten könnten.

Auch Zen basiert auf einem philosophischen Verständnis des Universums. Ganz Ähnliches finden wir in der klassischen Phänomenologie, begründet von Edmund Husserl mit dem Leitspruch „Zurück zu den Sachen selbst“, was durchaus auch ein Leitspruch von Werner Heisenberg sein könnte. Doch man darf dabei nicht stehen bleiben, sondern muss darüber hinaus-gehen, ohne das Überwundene wegzuwerfen. Bevor wir uns aber den Fragen der Welt zuwenden, müssen wir uns darüber im Klaren sein, wie wir überhaupt wahrnehmen, wie Gefühle und Emotionen entstehen und warum wir denken, wie wir denken. Dass wir die Welt unmittelbar wahr-nehmen können, ist ein naiver Realitätsglaube, den wir los werden müs-sen; ebenso die Überzeugung, unsere Gedanken, Erinnerungen und unse-re Gefühle seien wahr.

Der größte Fehler dabei ist zu glauben, dass unser Bewusstsein eine eigenständige Entität sei, die unabhängig von dem Wahrgenommenen existieren könnte. Weiter geht es mit der Differenzierung zwischen „innen“ und „außen“. Die Welt da draußen könnte es gar nicht geben, wenn sie nicht in meinem Kopf existieren würde. Also ist außen innen. Oder vielleicht ist es auch nur ein herrlicher Witz. Die Welt, wie wir sie gewöhnlich wahrnehmen und erleben, einschließlich der Art, wie wir uns selbst erleben, ist eine von uns hervorgebrachte Konstruktion unseres Gehirns. Bildlich gesprochen, sehen wir gewissermaßen durch eine Brille, die wir jedoch selbst nicht sehen können, da sie die eigentliche Voraussetzung dafür ist, dass wir sehen können.

Das Wichtigste bei erkenntnistheoretischen Überlegungen ist also, sich nicht mit den Dingen beziehungsweise mit der Welt zu befassen, sondern mit der Art und Weise des Erkennens, unserer Erkenntnisart. Die „kopernikanische Wende“ in der Philosophie besteht in der Einsicht, dass wir keine von uns unabhängigen Welt erkennen, sondern dass die Welt etwas ist, was wir selbst hervorbringen. Unsere Erfahrung der Welt „dreht“ sich gleichsam um unser Erkenntnisvermögen; wir können nicht sehen, was wir nicht denken können. Und hier wird es echt spannend, denn wir können nicht erkennen, was die Welt „an sich ist“; das können wir nur im Rahmen der eigenen Sinnlichkeit und des eigenen Denkvermögens.

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