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Mich einlassen auf das Leben

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Erkennen, was wirklich ist

Es geht in der Praxis des Chan um das Erkennen der Wirklichkeit, und zwar nicht die der anderen, sondern um die eigene. Was „wirklich“ ist wird ja sehr unterschiedlich wahrgenommen. Gibt es etwa eine objektive Wirklichkeit oder doch nur eine subjektive? Können wir Wirklichkeit definieren oder doch nur beschreiben? Viel zu selten fragen wir uns, was ist eigentlich wirklich. Zwar glauben viele Menschen, sie wüssten, was die Wirklichkeit ist, vor allem die eigene, doch nur sehr selten ist das der Fall, denn nur wenige machen sich überhaupt Gedanken darüber, was sie für wirklich halten.

Solange wir in der Konvention leben, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Unmittelbarkeit fehlt, die wir bräuchten, um zu sehen, was ist. Ohne diese Unmittelbarkeit sehen wir die Welt immer nur durch den Schleier unserer Ansichten, Meinungen, Befürchtungen und Hoffnungen. Doch wie gelangen wir zu der Einsicht in die eigene Wirklichkeit? Der Weg, den ich gegangen bin und gehe, ist vergleichbar mit dem Weg, den man geht, wenn man sich den Fuß gebrochen hat. Man braucht erst einmal die Einsicht, dass der Fuß überhaupt gebrochen ist. Nur dann wird man aufhören, die Zähne zusammenzubeißen, den Schmerz zu verdrängen, auf einem Bein durch das Leben zu hüpfen. Stattdessen wird man sich den Fuß eingipsen lassen.

Weil man jetzt merkt, dass man zum Laufen ja eigentlich zwei Füße bräuchte, aber nur einen belasten kann, behilft man sich erst einmal mit Krücken. Das ist ein Synonym für das Wissen anderer, die sich in der Situation auskennen. Für mich sind das Quantenphysiker, die auch den fundamentalen Fragen nachgehen, Neurowissenschaftler, Wissenssoziologen und Systemiker. Die, die ich nicht aufgezählt habe, mögen mir das bitte nachsehen. Beginnt man dann dieses Wissen im eigenen Leben zu verifizieren, geht es schon ein wenig flotter.

Bis man am Ende keine Krücken mehr braucht und ohne Hilfe laufen kann. Erst noch ein wenig beschwerlich, also mit viel Überlegung und Nachdenken, dann aber immer freier, bis man am Ende keinen Gedanken mehr daran verschwendet, wie man läuft. Genau das ist damit gemeint, wenn im Zen von der Einfachheit und Klarheit des Geistes die Rede ist, der auf die Erfahrung und das Tun im gegenwärtigen Augenblick gerichtet ist und nicht von unnötigen Gedanken und Ablenkungen gestört wird.

Also aufhören mit dem begrifflichen Denken, denn damit übernehmen wir stillschweigend auch nicht stimmige Vorstellungen (der anderen) über die Welt und über uns selbst und diese prägen unsere Sichtweise und unser gegenwärtiges Bewusstsein. Doch was ist mit begrifflichem Denken genau gemeint? Etwa wenn ich darüber rede, was ein Konzern oder eine Partei tut und mir dabei nicht bewusst bin, dass weder Konzerne noch Parteien etwas tun können. Nur Menschen können das nämlich.

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