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Mich einlassen auf das Leben

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Konventionelles Leben

Ein konventionelles Leben zu führen erinnert mich immer an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Der Protagonist Phil, ein TV-Wetterfrosch, ein Berufszyniker, gespielt von Bill Murray, muss Jahr für Jahr hinaus in die tiefste Provinz, ins unaussprechliche Punxsutawney reisen. Um dann von Murmeltieren als den ersten Frühlingsboten am „Groundhog Day“ zu berichten. Schauderhaft! Nicht einmal die aparte Produzentin Rita kann Phil aufmuntern. Doch dieses Jahr ist alles anders. Der „Groundhog Day“ wird so oft wiederholt, bis Griesgram Phil ein für allemal geläutert wird ...

Und exakt so ist es auch mit der Konvention. Wir drehen uns ständig im Kreis. Doch warum? Hier eine wunderbare Formulierung aus dem Buch von Scott Peck „Eine neue Ethik für die Welt“: „Das verbreitetste Anfangsstadium und einzige Stadium vieler Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ist das der Pseudogemeinschaft, ein Stadium der Vortäuschung und des Scheins. Die Gruppe tut so, als sei sie bereits eine Gemeinschaft, als gäbe es unter den Gruppenmitgliedern nur oberflächliche, individuelle Differenzen und kein Grund für Konflikte.

Zur Aufrechterhaltung dieser Vortäuschung bedient man sich vor allem einer Anzahl unausgesprochener allgemeingültiger Verhaltensregeln, Manieren genannt: Wir sollen unser Bestes tun, um nichts zu sagen, was einen anderen Menschen verstören oder anfeinden könnte; wenn jemand anderes etwas sagt, das uns beleidigt oder schmerzliche Gefühle oder Erinnerungen in uns weckt, dann sollen wir so tun, als mache es uns nicht das geringste aus; und wenn Meinungsverschiedenheiten oder andere unangenehme Dinge auftauchen, dann sollten wir sofort das Thema wechseln.

Jede gute Gastgeberin kennt diese Regeln. Sie mögen den reibungslosen Ablauf einer Dinnerparty ermöglichen, aber mehr auch nicht. Die Kommunikation in der Pseudogemeinschaft läuft über Verallgemeinerungen ab. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv.“

Und damit der Gedanke aus 1001 Nacht endlich nicht mehr zutrifft, dass nämlich die Menschen einen tiefen Schlaf schlafen und erst in ihrer Todesstunde erwachen würden, dafür müssen wir bereit sein, unser „normales“ Leben auf den Kopf zu stellen, genauer unser Weltbild. Und dass das auch berechtigt ist, das wissen wir eigentlich schon lange. Seit wir die Quantenphysik kennen, können wir es auch nicht mehr ernsthaft leugnen, dass die meisten von uns die Dinge sehen, wie sie aber nicht sind. Für mich sind die Gedanken des Chan angewandte Physik. Wir erleben uns vielfach fragmentiert, sind es aber nicht.

Die Konvention zu verlassen heißt das Ich zu sterben. So wie eine Raupe stirbt, wenn der Schmetterling entsteht, oder das Samenkorn, das gleichsam stirbt, wenn die Pflanze erscheint. In der Konvention ist der freie Mensch schon enthalten, wie bei der Raupe, aber eben auch umgekehrt, so wie auch Gutes und Böses in jedem Menschen existiert, doch nur eines lebendig sein kann. Als Kinder lernten wir die Konvention kennen, doch irgendwann müssen wir das damit entstandene „Ich“ sterben. Man wird nicht mit Erreichen eines bestimmten Alters erwachsen, sondern durch Initiation.

Diese Initiation müssen wir erfahren, und wenn wir sie selbst machen. Und manchmal mal muss man aber wie ein Phönix öfters brennen, um wieder aus der Asche neu geboren zu werden. Wichtig ist, dass man das weder lernen noch glauben kann, sondern man muss es tun. Man bekommt vielleicht den Weg gezeigt, mehr aber auch nicht.

Wichtig ist, dass man das weder lernen noch glauben kann, sondern man muss es tun. Man bekommt vielleicht den Weg gezeigt, mehr aber auch nicht. Doch das ist erst die halbe Miete. Es ist eine Sache zu verstehen, wie ich und jeder andere beispielsweise denkt, aber es ist eine ganz andere, wie ich dann mein Leben organisieren muss, um diese Erkenntnis nicht wieder zu verlieren und es ist nochmal etwas anderes, wie ich mich dann mit anderen zusammen organisiere, damit wir alle miteinander diese Erkenntnis nicht wieder verlieren.

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