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Mich einlassen auf das Leben

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Nichts ist, was es zu sein scheint

Das bedeutet nicht, dass es das Ich nicht gibt, nur ist es nicht das, was wir üblicherweise darunter verstehen. Es ist nicht das, was es zu sein scheint, sondern nur die konventionelle Bezeichnung für eine Ansammlung von Gedanken, Wahrnehmungen, Reaktionsweisen, Empfindungen und Gefühlen, mit denen ich mich identifiziere. Also nicht ich denke, richtiger ist zu sagen, dass die Gedanken mich machen! Also hauen wir doch einfach die Illusion eines aus sich selbst heraus existierenden Ich in die Tonne! Das haben mittlerweile auch die Neurowissenschaftler erkannt. Nirgendwo ist eine übergeordnete Steuerungseinheit zu finden. Alles nur ein Konstrukt des neuronalen Netzwerkes.

Nur wer sitzt dann da auf meinem Sessel und tippt gerade diese Worte in den PC, wenn es mich doch nicht gibt? Gute Frage, nicht? Dabei ist es relativ einfach. Es gibt eine Menge Rezeptoren, die mich (also dieses sprachliche Ich, damit das mal klar ist) meinen Körper wahrnehmen lassen. Macht ja auch Sinn, wenn ich mir einen Spreißel reinziehe oder aufs Klo muss. Doch nicht alles wird mir bewusst, nur das, was ich wissen sollte. Schon wieder eine Leistung des neuronalen Netzwerkes, das entscheidet, was wichtig ist und mir bewusst werden sollte und was nicht.

Doch erst dann, wenn ich mich mit diesen Bildern identifiziere, nimmt mein Ich Gestalt an. Es fängt also mit der Selbstwahrnehmung an, die sich irgendwann verselbstständigt hat. Warum? Uninteressant, denn von Rele-vanz ist die Ursache, nicht das Symptom! Wichtig ist, mich wieder zu des-identifizieren. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn das bedeutet auch, all den in meinem Gedächtnis gespeicherten Erinnerungen die Be-deutung von Tatsachen zu nehmen. Dadurch, dass das (gedachte) Selbst sich reflexiv auf sich selbst bezieht, wird es sich seiner selbst bewusst, es zieht sich sozusagen an den eigenen Haaren in die Wirklichkeit.

Was für ein Taschenspielertrick! Wäre einen Applaus wert, würde es nicht so viele Probleme nach sich ziehen. Aber da das eigene Körperbild prozesshaft ist, braucht es der andauernden Bestätigung und Validierung. Ein fataler Teufelskreis. Der eigene Körper, das eigene Körper-Ich wird zur Grundlage an ein selbstständiges und unabhängiges Ich. Was klar erkennen lässt, warum den Menschen ihr Aussehen und ihre Kleidung so fürchterlich wichtig sind. Da hüpft dann das Ich-Gefühl wie Rumpelstilzchen herum und freut sich, dass es nicht beim Namen genannt wird.

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