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Mich einlassen auf das Leben

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Umsetzung

Damit aber lässt Sie der Text erst einmal alleine, um nicht zu sagen im Regen stehen. Wenn Sie sich wirklich auf den Text einlassen wollen, dann wird Ihnen klar geworden sein, dass das „Zen-Denken“ mit dem üblichen Lebensstil der Konvention nicht kompatibel ist. Geht einfach nicht. Keine wirkliche Offenheit, keine wirkliche Ehrlichkeit, kein wirkliches Hinterfragen des eigenen Tuns, keine wirkliche Konsequenz.

Dabei steht die Antwort im Text drin, wenn man genau hinschaut. Anders zu leben heißt eben ganz einfach anders zu leben. Aber wie anders? Ich frage dann immer, wie ich oder jemand anderes wahrgenommen werden wird, wenn er genau so denkt, wie er denken will. Man muss sich ja nur darüber im Klaren sein, dass die gewöhnliche und übliche Differenzierung zwischen Innen und Außen von unzutreffenden Vorstellungen ausgeht, denen wir selbst, zumindest zu Beginn unserer Zen-Praxis, ja auch folgen.

Aber vielleicht hilft ja ein Blick in ein Zen-Kloster? Sehen Sie sich Bilder der Wohnraumgestaltung genau an, ohne die Menschen. Blenden Sie die einfach einmal aus. Was Sie sehen werden ist ein Fülle, die gerade durch Klarheit und Einfachheit entsteht. Stellen Sie sich einen wunderschönen japanischen Holzschrank vor, leer, nur eine Buddha-Statue steht oben drauf. Wenn Sie das Bild gegenwärtig haben, stellen Sie noch ein paar Bücher, Bilder und ein paar schöne Accessoires dazu. Und Sie werden merken, die Buddha-Statue verschwindet regelrecht. Die Fülle, von der ich hier spreche, kommt definitiv nicht von viel.

Dann betrachten Sie einmal die Menschen. Finden Sie heraus, warum die sich so anziehen, wie sie es tun! Was ist der Sinn dahinter? Und warum all diese Regeln? Und warum haben die einen Meister? Was ist dessen Funktion? In Zeiten der Boomeritis fügt sich kaum ein Mensch einem Meister. Dabei hat der Meister in einem Zen-Kloster eine klare Aufgabe; nicht etwa, einem etwas beizubringen, sondern einem etwas zu nehmen, nämlich die falschen Ansichten und Vorstellungen, die man so in seinem Kopf hat. Es gibt zwei Wege der Erkenntnis, den positiven und den negativen. Auf dem positiven Weg will man etwas erreichen, auf dem negativen will man etwas loswerden.

Viele Menschen suchen daher lieber den positiven Weg zu gehen, der macht ja so ein gutes Gefühl. Nur ist das leider zu kurz und zu vordergründig gedacht, denn der negative Weg setzt voraus, dass man alles hat, was man braucht, man braucht nur das Unstimmige loszuwerden; der positive Weg hingegen setzt voraus, dass man unvollständig ist, sonst bräuchte man ja nichts. Ich persönlich favorisiere ohne Frage den negativen Weg.

Es ist für mich motivierend, dass ich eigentlich alles habe, was ich brauche und dass es allein an mir liegt, ob ich die Gedanken des Zen umsetzen kann oder nicht. Klarer Fall von Selbstermächtigung! Doch die funktioniert nur dann, wenn ich mir darüber im Klaren bin, dass ich im Außen sein muss, was ich im Innen sein will. Aber wie sagt doch Theodor W. Adorno ganz richtig?

Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

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