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Mich einlassen auf das Leben

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Wer denkt, wenn ich es nicht bin?

Wen es dieses Ich aber nicht gibt, nur eine Selbstillusion, woher weiß ich oder besser es dann, was es denken soll? Ganz einfach, das weiß es nicht. Sondern das erledigt das neuronale Netzwerk, das ich in meinem Leben durch meine Lebensart gebildet habe und immer weiter bilden werde. Erst dann, wenn ich mir dieser Dinge überhaupt bewusst bin und mein Leben bewusst gestalte, kann ich mein neuronales Netzwerk neu programmieren. Es zu wollen genügt nicht. Also sollte ich wirklich den Autopiloten ausschalten. Das heißt auch, dass ich mein Konzept von mir selbst mal überdenken muss … und nicht nur sollte.

Ein wichtiges Thema ist dabei die Sprache, denn mit der Sprache strukturieren wir unsere Eindrücke und Empfindungen. Verwenden wir aus Gewohnheit einen nicht stimmigen Frame, sortieren wir die entsprechende Erfahrung auch entsprechend ein. Wir selbst sind es, die mittels der Struktur den Inhalt überhaupt erst entstehen lassen! Ja, es macht Sinn, sich darüber klar zu werden, was das Gehirn so macht. Den meistens ist es mit sich selbst beschäftigt. So kommen auf eine Erregung von außen 100000 eigene. Daraus bauen wir dann unsere Wahrnehmung. Über je mehr Erinnerungen wir verfügen, desto mehr nimmt die Welt, die wir sehen, Gestalt aus unseren Erinnerungen und nicht aus unseren Wahrnehmungen an. Das Begehren begehrt sich also selbst. Da das Begehren gar nicht auf Befriedigung aus ist, sondern auf sich selber – entsteht immer neues und immer mehr Begehren, je mehr es befriedigt wird.

Nichts hat eine Farbe oder einen Geschmack, den erzeugen wir selbst in unserem Bewusstsein. Aber fragen Sie jetzt nicht, wo und wie das anfängt, das weiß noch keiner so wirklich. Da wird es dann sehr, sehr mystisch. Fakt ist, dass unsere Wahrnehmung keine direkte Abbildungen der uns umgebenden Welt sein können. Die Welt, die wir zu kennen glauben, ist nur ein Konstrukt in unserem Kopf. Und genau deshalb bedingen die Möglichkeiten unsere Sinneserfahrungen unsere Welterfahrungen. Das beinhaltet auch die Antwort auf die Frage, wie es sich anfühlt, lebendig zu sein. Doch das sollten wir niemals auf andere übertragen. Deren Sinneserfahrungen stehen uns nicht zur Verfügung und erst recht nicht deren Denken! Was wir auch über ein anderes Lebewesen wissen mögen, es kann uns nie dessen Erlebnisperspektive erschließen.

Darum kann ein Säugling auch keine Außenwelt erkennen, es fehlt ihm einfach die entsprechende Erfahrung. Und genau deswegen, weil sich das nämlich nie ändert, erkenne ich nicht den Anderen, sondern immer nur mich selbst. Das, und nur das, ist die Basis für wahres Mitgefühl. Die fundamentalen Bereiche des Erlebens, nämlich unser Selbst (Ich), unser Körper und unsere Welt sind, so unterschiedlich sie auch sein mögen, das Ergebnis eines einzigen Konstruktionsprozesses.

Das zu wissen lässt uns verstehen, warum die Stille des Geistes kein phlegmatisches Herumsitzen ist, sondern die Abwesenheit von Interpretationen der Wirklichkeit. Diese Stille realisiert sich dann, wenn die Identifikationen, ob „innen“ oder „außen“ für den Augenblick aufhören, doch das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr denken würden. Nur eben anders. Dieses Nicht-Empfinden ist alles andere als empfindungslos, ein Zustand, bei dem es außer dem bloßen Dasein, einem Zustand der reinen Präsenz, nichts anderes mehr gibt. Solange diese Mechanismen nicht klar erkannt und durchschaut worden sind, drehen wir fröhlich leidend weiter am Rad.

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