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Die Welt und ich

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Das innere Kloster

Natürlich sollen Sie in kein Kloster gehen, sondern in ein inneres Kloster. Das Kloster ist tatsächlich eine sehr gute Metapher für die Art und Weise, wie man sein Leben organisieren kann. Wie gesagt, organisieren, (noch) nicht gestalten. Das kommt später. Dazu sage ich auch nichts, das ist jedermanns ganz persönliche Angelegenheit.

Es geht also um die Struktur, nicht um den Inhalt. So unterschiedlich die Gedanken sind, die wir haben, ist doch der innere Ablauf, der Prozess identisch, mit dem wir denken. Und je besser wir diese Grundstruktur kennen, desto leichter fällt es uns, auf unsere Gedanken Einfluss zu nehmen.

Und weil wir jedoch keinen direkten Einfluss auf unsere Gedanken haben, gestalten wir eben die äußere Struktur ausgehend von dem, was wir über den Prozess des Denkens wissen, damit wir einen zumindest indirekten Einfluss auf unser Denken und damit auf unser Handeln bekommen. Und wenn wir unseren Alltag und vielleicht sogar unsere Wohnräume entsprechend gestalten, gelingt das auch.

Das Kloster ist ein Ort der inneren Einkehr, gleichzeitig ist es auch ein Ort der Begegnung. Will ich mich bewusst in Beziehung setzen, will ich einem anderen wirklich begegnen, dann muss ich erst einmal bei mir selbst angekommen sein, sonst kann ich mich nicht in Beziehung setzen, sondern werde ich von den Impulsen getrieben, die tagtäglich auf mich einwirken.

Ein Kloster hat einen Abt, das Oberhaupt, einen Prior für den inneren Dienst, einen oder mehrere Verwalter und Exerzitienmeister. Ach ja, und auch einfache Mönche mit den unterschiedlichsten Aufgaben, vom Koch über den Bibliothekar bis hin zum Pförtner.

Und da ich selbst all diese Funktionen in mir selbst bin, den ich organisiere mich ja vollkommen selbst, macht es durchaus Sinn, sich immer wieder mit einer anderen Perspektive auf die Dinge zu beziehen. Dann wird man nicht so schnell einseitig.

Aus der Perspektive des Abtes sehe ich das Verhalten eines Mönches wahrscheinlich ganz anders als ein Exerzitienmeister. Die Frage, welche Funkton ich innehabe, definiere ich jedoch nicht selbst, sondern das sind die Impulse, die von außen auf mich wirken, die die stimmige Funktion letztlich bedingen.

Doch das funktioniert nur, wenn „mein“ Kloster ein klares, eindeutiges und unmissverständliches Auftreten nach außen hat. Es ist nicht die Frage nach dem Image, das ich bei anderen habe, sondern die Frage nach dem, was und wie ich in der Welt sein und auch wahrgenommen werden will.

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