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Die Welt und ich

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Ich muss es auch wollen

Ja, ich muss es wirklich wollen, diesen Weg zu gehen. Es ist eine Sache, sich mit solchen Gedanken zu beschäftigen, es ist eine ganz andere, sie auch zu leben. Das eine ist Theorie und Gedankenspielerei, das andere ist praktische Anwendung.

Ich habe schon einmal erwähnt, dass Silvia Arroyo Camejo, eine 1986 geborene Physikerin, in einem Video über die Philosophie der Quantenphysik mit Werner Heisenberg feststellt, dass sich die Physiker ihrer Generation kaum noch für die fundamentalen und letztlich existentiellen Fragen interessieren, die die Quantenphysik aufwirft.

Nun, man mag darüber spekulieren, warum das so ist, Tatsache ist, dass es leider so ist. Und damit geht auch einher, dass die meisten Menschen wohl nicht wirklich dialogfähig sind, denn das würde bedeuten, dass man die Maske der Konvention ablegt und sich wirklich begegnet. Vielleicht ist deswegen immer davon die Rede, sich auf Augenhöhe zu begegnen, weil man eben nur so tut, es aber nicht wirklich macht. Denn dazu wäre es notwendig, sich wirklich dialogisch zu begegnen.

Ich halte es auch für unzutreffend, die Wirtschaft, einzelne Firmen oder die Politik dafür verantwortlich zu machen. Ich denke, es ist das Denken der Menschen überhaupt. Wissen tun wir es schon lange, dass etwas gewaltig schiefläuft in gesellschaftlichen Welt. Viele haben versucht, darauf Antworten zu finden, ob Erich Fromm, die Quantenphysiker, Adorno, Gruen und so weiter und so weiter. Und nicht zu vergessen die Zen-Menschen.

Die Liste der Mahner ist ziemlich lang. Doch die Liste derer, die ihnen zuhören, ist sehr, sehr kurz. Zitiert werden sie oft, mehr aber auch nicht. Ob es die Gedanken des Zen oder die fundamentalen Fragen der modernen Physik sind, irgendwie werden die scheinbar von vielen als gefährlich eingestuft und ignoriert. Wobei ich hier die wirkliche Auseinandersetzung damit meine und nicht nur die mystizistischen Gedankenspiele mancher.

Angesichts des Zustandes, in dem sich die Welt gerade befindet, bedenkt man all die Kriege, Zerstörung und alltäglichen Konflikte wie die Hilflosigkeit der Politik ein Debakel. Aber vielleicht muss es erst knüppeldick kommen, bevor die Mehrheit das versteht und auf die (leider sind sie es noch) Mahner hört.

Ich mache mir immer laut Mut, ähnlich dem Singen der Kinder im dunklen Wald, und sage mir, dass vor jedem Bewusstseinssprung Chaos herrscht, eine Destabilisierung, ein Auflösungsprozess geschieht, den es braucht, damit Neues entstehen kann. Aber vielleicht geschieht das ja gerade wirklich, zu wünschen wäre es wahrlich.

Es bleibt zu hoffen, dass Lin-chi mit diesem Gedanken Recht behielt. Vergangenheitsform, wohlgemerkt:

Ideen, die dem Ohr so angenehm klingen, werden als große Wahrheiten angenommen. Und die Leute werden von ihnen ebenso angezogen wie die Motten in der Nacht von Kerzenlicht, in dem sie umkommen...