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Ergründen, was ist

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(Wieder) staunen lernen

Am Anfang der Philosophie steht das Staunen. Dieser Motor des Denkens ist für viele Erwachsenen zunehmend ins Stottern gekommen. Statt zu staunen suchen wir vielfach nur noch die Ablenkung, den unverbindlichen Spaß, um dem grauen Alltags-Einerlei wenigstens für einen kurzen Moment zu entkommen.

Dabei würde doch schon der Blick in die Natur, da, wo sie noch Natur ist, uns schon zum Staunen bringen angesichts des Mysterium des Lebens. Doch vielfach ist dieses Staunen zugedeckt von Sorgen und Ängsten, vor allem über unsere Zukunft.

Aber vielleicht fangen wir ja bei uns selbst an und staunen einfach einmal darüber, wozu wir selbst alles fähig sind. Und das ist mehr als uns bewusst ist.

Und das hat damit zu tun, dass das Staunen auch Irritation bedeutet, dass Staunen Reflexion anstößt; dass Staunen dieses Innehalten verursacht, dass man plötzlich rausgerissen wird nicht nur aus dem Alltagstrott, sondern auch aus der Art und Weise, wie man normalerweise über die Dinge nachdenkt.

Das schreibt Nicola Gess in ihrem Buch „Staunen – eine Poetik“. Ich weiß nicht ob es stimmt, dass Staunen den Glauben an politische Utopien erst möglich macht. Ich kann das nicht sagen, weil ich mein Leben lang fasziniert war von utopischen Gedanken.

Man muss vielleicht doch das Unmögliche denken, um das Mögliche erreichen können. Wenn man das nicht tut, dann bleibt es für einen, wie es ist. Und manchmal ist es eine Gratwanderung, sich nicht in diesen Utopien zu verlieren, sondern sich immer wieder in der Welt des Möglichen umzuschauen und sich zu verorten, wo man ist.

Staunen und Wirklichkeit gehören für mich zusammen, wollen wir Zukunft gestalten. Einen Borderliner nannte mich einmal ein Bekannter, einer, der auf der Grenze balanciert. Das Dumme ist nur, dass wir nicht hinter diese Grenze schauen können. Aber da helfen uns Staunen und Fantasie weiter. Doch wir brauchen den Dialog, die Brücke zwischen Staunen und Fanatasie auf der einen und Wirklichkeit auf der andere Seite; genauso wie er die Brücke zwischen Illusion und Wirklichkeit ist.

Nur gehen müssen wir schon selbst, da ist keiner, der uns trägt.