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Im Einklang leben

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Sein, der ich bin

Was haben Kyudo und Motorradfahren gemeinsam? Im Idealfall ist es die selbe innere Haltung.

Also ich kann leider kein Kyudo. Aber ich fahre seit einiger Zeit Motorrad. Und ich sehe da grundlegende Parallelen. Es beginnt erst einmal, ganz banal, mit der Technik. Wie muss ich überhaupt lenken, wie den Kopf halten, damit ich die natürliche Schräglagensperre von 20° überwinden kann. Wie sitze ich richtig und so weiter und so fort bis hin zur passenden Kleidung.

Das ist erst einmal nur die Technik, das Motorradfahren selbst ist etwas ganz anderes. Es beginnt damit, dass ich mich sammle, runter zu kommen suche von dem Alltagsgelaber in meinem Kopf. Ich merke das schon, wenn ich meine Motorradsachen anziehe. Je mehr ich daraus ein bewusstes Ritual mache, umso besser ist hinterher das Fahren an sich.

Und wenn ich nicht so fahre, wie ich eigentlich gerne würde, dann weiß ich, dass es an der Einstimmung liegt. Irgendetwas ist mir gedanklich dazwischen gekommen, hat mich aus meinem inneren Gleichgewicht gebracht. Und meist ist mir das nicht bewusst, sondern es nur noch eine entsprechende Stimmung da. Die macht zwar nicht direkt Angst und sie lässt mich auch nicht an mir selbst zweifeln, aber sie reduziert mich drastisch in meinen Möglichkeiten.

Wie beim Kyudo teilt sich meine Fahrpraxis in Abläufe und Rituale. Dann kommt das Fahren als solches. Das ist von Anfang an geprägt von dem „Davor“. Fahre ich hinter jemanden her oder mit jemandem, den ich nicht leiden kann, wird man das garantiert an meinem Fahrstil merken. Jedenfalls solange, solange ich das negative Denken nicht aus meinem Kopf bekomme. Letztlich geht es darum, mich beim Fahren ganz zu vergessen. Jedenfalls mehr und mehr. Solange ich nämlich noch „bewusst“ auf dem Motorrad sitze, solange ich mich beobachtet fühle oder mich selbst beäuge und ich mich nicht davon freimachen kann, solange wird man auch das an meinem Fahrstil merken.

Doch wenn alles einigermaßen stimmig ist, dann merkt man das an meinem Fahrstil. Dann fließt es. In einer Gruppe ist ihre geistig-mentale Energie für mich regelrecht zu spüren. Ich weiß noch nicht genau, ob ich mich von negativ Denkenden distanzieren sollte oder dann doch lieber alleine fahre. Nicht ohne Grund sage ich immer, dass ich meditieren gehe, wenn ich Moped fahren gehe. Ich denke, dass das auch der eigentliche Grund ist, warum jemand Kyudo praktiziert. Sein, was man ist.

Eines wird mir in der letzten Zeit immer klarer: Die Technik kann ich üben, diese geistig-mentale Haltung aber nicht. Die lässt sich nicht mit Worten erklären, die kann ich nur erahnen und sie praktizieren. Es ist eine Frage der inneren Einstellung, warum man etwas macht und warum man eine Haltung, wie sie im Kyudo gang und gäbe ist, unter Motorradfahrern eher selten antrifft.

Doch wenn man zu merken beginnt, dass genau diese Haltung die Gedanken überhaupt nicht hätte entstehen lassen, die Unheilvolles in die Welt gebracht haben, dann fragt man sich schon, warum wir nicht immer in dieser Haltung von Achtsamkeit, Gewahrsein und geistiger Versenkung sind und uns statt dessen mit Oberflächlichkeit die Zeit vertreiben.

Ob ich also Kyudo praktiziere, Motorrad fahre oder mich mit Freunden zum Essen treffe - es ist immer das Selbe. Es ist meine Haltung, die mich wirklich ausmacht. Und die ist etwas sehr, sehr Grundsätzliches. In dem Film „Der letzte Samurai“ ist das sehr gut dargestellt.

Eine Botschaft für das ganze Leben. Ohne Fragezeichen!