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Grenzen überwinden

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Think!

Wir leben – pardon – in einer verrückten Zeit und in einer verrückten Gesellschaft – und sind selbst ein Teil davon. Daran ändert auch das eigene Denken nichts – könnte man glauben. Aber genau das ist ein fundamentaler Irrtum. Die Art und Weise, wie ich denke, ändert zwar nichts direkt etwas am Lauf der Welt – aber sehr wohl indirekt. „Meine“ Gedanken sind eben nicht nur in mir, sondern sie sind auch scheinbar in der Welt. Scheinbar, weil wir die Welt sind.

Platons Höhlengleichnis ist so aktuell wie eh und je, auch wenn das heutige Wissen mehr geworden ist. Und doch sehen noch viele die Welt nicht, wie sie tatsächlich ist. Dabei bräuchten wir uns nur auf das zu besinnen, was wir ganz konkret wissen – und dann unsere Schlüsse daraus ziehen. Obwohl – können wir die Welt überhaupt sehen? Eine ernsthafte Frage, denn dazu müsste ich mich ja außerhalb befinden können, um auf sie schauen zu können. Doch weil das nur gedanklich gehen könnte, ist alles, was ich sagen kann das, was ich erlebe.

Die Welt kann ich also nicht wirklich erkennen, eigentlich kann ich nur von meinem eigenen Erleben Rückschlüsse auf das Ganze ziehen. Überlegungen, die ein großes Fragezeichen hinterlassen. Wie kann ich sicher sein, dass ich nicht eine Illusion für die Wirklichkeit halte? Also bliebt mir nichts anderes übrig, als das Ganze recht pragmatisch anzugehen. Doch was heißt „pragmatisch“? Es heißt wohl, dass mehrere Dinge stets gleichzeitig in meinem Denken präsent sein sollten. Da ist zum einen die Frage, wie ich ganz konkret lebe, was ich damit ausdrücken will und wie ich mein Leben gestalte, genauso wie die die Überlegung, wie das mit meinem mystischen (nicht mystizistischen) Weltbild übereinstimmt und, als würde das noch nicht genügen, dabei die bewusste Wahrnehmung meiner selbst wie dessen stete Reflexion inclusive die Reflexion meiner Erkenntnistheorie.

Wie ist eigentlich die Situation?

Es ist scheinbar wie immer. Doch es wird Zeit, das Problem endlich anzugehen. Um die 200.000 Jahre brauchte die Menschheit für die ersten 2,5 Milliarden Bewohner (um 1950) und circa weitere 70 Jahre, um das mehr als zu verdreifachen und auf 7,6 Milliarden zu kommen. Die Wirtschafts- und die Finanzmärkte sind seit ca. 1980 global und weltumspannend geworden. Und damit wurden globale und nicht mehr nur regionale Informationen interessant und bedeutungsvoll. Doch kein Mensch kann diese Informationen noch sinnvoll verarbeiten. Seit etwa dem Jahr 2000 haben wir die flächendeckende Einführung des Internets mit einer ganz neuen Art der Kommunikation und der Vernetzung.

Die Lebenssituation des Menschen hat sich dramatisch verändert. Und sie ändert sich in rasend schnellem Tempo immer weiter. Aber das ist kein Grund zu verzweifeln, sondern es ist die Aufforderung, uns endlich den Schlaf aus den Augen zu reiben und zu sehen, wie die Welt wirklich ist. Also wie wir wirklich denken, denn das ist ja, was wir „in der Welt“ erleben. Es ist die dringende Aufforderung des Lebens selbst an jeden und jede Einzelne, endlich hinaus ins Freie zu treten und sich selbst ein tiefgründiges und damit realistisches Bild vom Leben zu machen. Also von sich selbst. Lebendig zu sein heißt, Verstand, Vernunft und Urteilskraft nicht nur zu besitzen, sondern auch einzusetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in der evolutionären Phase zwischen zwei Bewusstseinsebenen befinden, es ist wie die Pause zwischen Aus- und Einatem, in der alles still zu stehen scheint. Chaos ist ja Stillstand, denn da ist nichts mehr, was ordnen würde. Es wird Zeit, dass wir über den Tellerrand des Alltäglichen hinausschauen und uns vom Vorder- dem Hintergründigen zuwenden.